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Leitlinien in der Liquordiagnostik der DGLN
 

Aktualisierte Version April 2026

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S1-Leitlinie „Lumbalpunktion und Liquordiagnostik“ wurde überarbeitet

 

Unter der Federführung von Prof Dr. Hayrettin Tumani, Ulm, und PD Dr. Hela-F. Petereit, Köln, wurde die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit

der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurochemie und Liquordiagnostik (DGLN) und unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und der Schweizerischen Neurologische Gesellschaft (SNG) überarbeitet und aktuell publiziert. Die überarbeitete Leitlinie reflektiert die zunehmende Integration von klassischen Liquorparametern, modernen Biomarkern  und translationalen Ansätzen zwischen Forschung und klinischer Anwendung. Sie stärkt die Rolle der Liquordiagnostik als Referenzmethode, ergänzt durch blutbasierte Verfahren in einem abgestuften diagnostischen Konzept.

Die Untersuchung des Liquors ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik in der Neurologie, Psychiatrie und Neurochirurgie. Sie ist ein wichtiges, teilweise alternativloses Verfahren zur Diagnostik von Entzündungen des Nervensystems und der Hirnhäute, von bildgebend nicht fassbaren Blutungen im Subarachnoidalraum sowie bei Ausbreitung maligner Erkrankungen auf den Liquorraum und die Meningen. Die Messungen des Liquoreröffnungsdrucks bei idiopathischer intrakranieller Hypertension und der Liquorablassversuch bei Normaldruckhydrozephalus sind zudem diagnosesichernde Untersuchungsverfahren mit therapeutischem Nutzen.

 

Neu ist, dass nach den revidierten McDonald-Kriterien von 2024 liquordiagnostisch die Diagnose einer Multiplen Sklerose gestellt werden kann, und zwar bei Patientinnen und Patienten mit MS-typischen Symptomen oder bei einem radiologisch-isolierten Syndrom, die die kernspintomographischen Kriterien einer räumlichen Dissemination erfüllen und bei denen isolierte oligoklonale Banden im Liquor und/oder intrathekal synthetisierte kappa Immunglobulin freie Leichtketten (kFLC) vorliegen.

 

Auch enthält die Leitlinie neue Empfehlungen zur Durchführung einer Lumbalpunktion (LP) bei Patientinnen und Patienten, die Antikoagulation (Vitamin-K-Antagonisten, direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) und duale Thrombozytenaggregationshemmung) erhalten. So ist die Indikation zur LP bei gerinnungshemmender Therapie häufig eine Einzelfallentscheidung, die im interdisziplinären Diskurs getroffen werden muss. Das Risiko einer Unterbrechung der gerinnungshemmenden Therapie muss gegen das erhöhte Blutungsrisiko bei diesen Patientinnen und Patienten während und nach einer LP abgewogen werden.

Eine praxisrelevante Klarstellung betrifft die Aufklärung vor Lumbalpunktion: Eine schriftliche Einwilligung bleibt obligat, eine starre Bedenkzeit (z. B. 24 Stunden oder „über Nacht“) ist jedoch nicht erforderlich. Die Entscheidung kann nach adäquater Aufklärung unmittelbar getroffen werden, sofern die Einwilligungsfähigkeit gegeben ist.

 

Auch bei der Diagnostik und Differenzialdiagnostik neurodegenerativer Erkrankungen spielt die Liquordiagnostik eine zunehmend wichtige Rolle. Neben dem routinemäßig empfohlenen Liquorgrundprogramm (Zellzahl, Differenzialzellbild, Laktat im Liquor, Reiber-Diagramm (Albumin-Quotient, IgG, IgA, IgM), OKB) zum Ausschluß eines entzündlichen ZNS-Prozesses, geben bei der Alzheimer-Demenz und bei der Amyotrophen Lateralsklerose vor allem ZNS-spezifische Parameter als positive DiagnosemarkerAufschluss.  Bei der Alzheimer-Demenz ermöglichen insbesondere die Liquorbiomarker Aβ42, Aβ40 (bzw. Aβ42/40-Ratio), Gesamt-Tau und phosphoryliertes Tau eine hohe diagnostische Genauigkeit und unterstützen standardisierte Interpretationsalgorithmen. Neu aufgenommen und deutlich aufgewertet wurde die Rolle der blutbasierten Biomarker pTau-Isoformen  pTau217 und Aβ42/40 im Plasma. Diese können die Liquordiagnostik gezielt ergänzen, aber aktuell nicht vollständig ersetzen.

 

Ein wichtiger Fortschritt betrifft die Biomarker bei Motoneuronerkrankungen. Die Neurofilamente (insbesondere NfL und NfH) sind valide krankheitsübergreifende Marker für axonalen Schaden und sind bei der Amyotrophen Lateralsklerose diagnostisch unterstützend, prognostisch relevant (Krankheitsprogression) und zunehmend in Studien als Surrogatmarker eingesetzt.

 

[1] Tumani H., Petereit H.-F. et al., Lumbalpunktion und Liquordiagnostik, S1-Leitlinie, 2026, in:

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.

Online: www.dgn.org/leitlinien  (abgerufen am 17.03.2026)

DGLN

Sekretariat Geschäftsstelle

 

Patricia Ringeis
Neurologische Uniklinik Ulm
Oberer Eselsberg 45
89081 Ulm

 

           info@dgln.de

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