Aktuelle Stellungnahmen

 
Mechanisierte Analyse von  Liquorzellen  mit handelsüblichen Blutzellanalysegeräten

M.Wick, Institut für Laboratoriumsmedizin, LMU München

        Mechanisierte Analyse von  Liquorzellen  mit handelsüblichen Blutzellanalysegeräten
Ehrenmitgliedschaft Prof. Helmut J. Bauer (1914-2008)

Stellungnahme zur Ehrenmitgliedschaft von Herrn Prof. Dr. Helmut J. Bauer in der Deutschen Gesellschaft für Liquordiagnostik und klinische Neurochemie.

 

Prof. Dr. Helmut J. Bauer (1914-2008) hat durch seinen über Jahrzehnte dauernden Einsatz für die Liquordiagnostik eine herausragende Stellung in der Liste der Ehrenmitglieder der Gesellschaft. Beginnend mit seiner Habilitationsschrift 1954 zur Herkunft der Proteine im Liquor hatte sich Bauer international dafür eingesetzt, die Liquordiagnostik zu einer Grundsäule der Diagnostik der MS sowie ganz allgemein der Neurologie zu machen. Mit seiner Initiierung eines integrierenden Laborbefundes für die Patienten in der Göttinger Neurologie hat er Wichtiges für die Labor-basierte Forschung und Diagnostik beigetragen. Sein Wirken war aber nicht auf diese für unsere Gesellschaft besonders relevanten Aspekte beschränkt, wie die ihm verliehenen nationalen und internationalen Anerkennungen als einem am Patienten engagierten Neurologen bestätigen.

 

Im Zusammenhang mit den aktuellen Recherchen und Diskussionen in den deutschen Fachgesellschaften über die Vergangenheit wichtiger Mitglieder in der Zeit vor 1945 wurde auch Prof. Bauers Biographie im dritten Reich hinterfragt (1, 2). Seine Rolle als Wehrmachtsarzt, Mitglied im Sonderkommando Künzberg und Mitglied der Waffen-SS wurden anhand der zugänglichen historischen Quellen kritisch thematisiert (2, 3). Die nun bekannt gewordenen und veröffentlichten Details der Biographie Prof. Bauers wurden im erweiterten Vorstand der DGLN bei aller historischen Lückenhaftigkeit ausführlich und ergebnisoffen diskutiert. Nach Berücksichtigung aller uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen konnte Prof. Bauer unseres Wissens keine direkte Verbindung zu Kriegsverbrechen nachgewiesen werden. Allerdings bleibt der Vorwurf, dass er durch seine Tätigkeit Wissen über die Kriegsverbrechen hatte, diese toleriert hat und Nutznießer des Systems war. Aus den bekannten Unterlagen ist nicht ersichtlich, welche Motivation Herr Prof. Bauer hatte, d.h. ob er in seiner Gesinnung den Nationalsozialismus unterstützt hat oder aus rein opportunistischen Gründen gehandelt hat.

 

Nach eingehender Diskussion innerhalb der Gesellschaft und auch mit beteiligten Historikern, distanziert sich die DGLN entschieden von der Auszeichnung Prof. Dr. Helmut J. Bauers durch Verleihung der DGLN-Ehrenmitgliedschaft. Gleichzeitig will die DGLN ihre eigene Geschichte, wie auch die Gesellschaft für Neurologie (DGN), nicht einfach ignorieren oder verleugnen und hat sich dazu entschieden, seinen Namen weiterhin in der Liste der Ehrenmitglieder in der seit 1991 bestehenden Liquorgesellschaft zu belassen.

 

Dies hat verschiedene Gründe:

  • Die Ehrung eines Menschen beruht im Allgemeinen auf besonderen Leistungen der geehrten Person. Bei der DGLN werden mit der Ehrenmitgliedschaft besondere Verdienste für die DGLN, die Liquordiagnostik und die Liquorforschung ausgezeichnet. Zweifelsohne hat Prof. Bauer sich solche Verdienste in einem überdurchschnittlichen Maße erworben.

  • Ehrungen werden aber auch mitbestimmt durch den Zeitgeist und die zu der Zeit bestehenden Werte und Normen verliehen. Diese Normen verändern sich über die Zeit, so dass zum heutigen Zeitpunkt andere Maßstäbe angesetzt werden als zur Zeit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Prof. Bauer.

  • Zum Zeitpunkt der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft war unseres Wissens die Mitgliedschaft in der SS nicht bekannt oder wurde nicht thematisiert. Die Historie war damals nicht im Fokus, sondern nur die Verdienste für die DGLN. Frühere Mitarbeiter und Schüler erinnern Prof. Bauer als aufrichtigen, integren und mitfühlenden Menschen – aber dies war nach 1945 und Menschen können ihre Einstellung ändern.

  • Ehrenmitglieder sollen nach unserem Verständnis neben ihren herausragenden Leistungen auch untadelig und moralische sowie gesellschaftliche Vorbilder sein.

 

Mit unserer Entscheidung, Prof. Helmut Bauer weiterhin in der Liste der Ehrenmitglieder (mit Verweis auf diese Stellungnahme) zu führen, möchten wir keinesfalls der Aufklärung geschichtlicher Zusammenhänge im Wege stehen. Im Gegenteil, wir brauchen diese Zeugen zur Erinnerung. Der Opportunismus, ob aus Angst oder Vorteilserwartungen, ist ein wesentlicher Faktor, der die Entstehung und Entwicklung des Dritten Reichs beförderte. Was da durch Teile des deutschen Volks an unmenschlichem Leid angerichtet wurde, kann nicht dadurch besser verstanden oder gar entschuldigt werden, dass wir einzelne Täter dafür suchen oder Schuldzuweisungen an einzelne Personen vornehmen. Durch die Nennung von Prof. Bauer in der Liste der Ehrenmitglieder will die DGLN auch dazu anregen, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und die Erinnerung aufrecht zu erhalten, damit Ähnliches nicht wieder geschieht. Sollte die fortgesetzte Aufarbeitung neue Erkenntnisse erbringen, behalten wir uns eine Neubewertung der Sachlage vor.

 

 

Ref.:

(1) Schmidt M, Westemaier J, Gross D. Neurology 2019;93:109–113.

(2) Schmidt M, Martin M, Groß D. Nervenarzt 2020; 91 (Suppl. 1): S71-S79

(3) Reiber H, Prange H, Volles E. Reader response. Neurology 2020; 94 (22)

DGLN-Stellungnahme zur Messung von IgM in Liquor und Serum anhand zweier verschiedenen Referenzkurven

 

Es ist eine goldene Regel der Liquordiagnostik, dass Liquor und Serum im selben Messsystem mit demselben Durchgang innerhalb desselben Konzentrationsbereichs gemessen werden müssen, um systematische Fehler zu minimieren und Testergebnisse zu optimieren. Die DGLN hält daher die Entwicklung der letzten Jahre für bedenklich, IgM in Liquor- und Serumproben mit zwei verschiedenen Messmethoden (Assays) und an zwei Referenzkurven zu bestimmen, da dies die Messungenauigkeit erhöht. Die daraus möglicherweise resultierende Methoden- und Chargen-abhängige Varianz im IgM-Quotienten können im IgM-Quotientendiagramm sowie bei den abgeleiteten Größen wie den Antiköperindizes zu unplausiblen falsch-positiven und falsch-negativen Befunden führen. Dies erschwert die klinische Interpretation der abgeleiteten Werte. Auch die Möglichkeit des Vergleichs der Einzelprotein-Quotienten untereinander, welche bei einer artifiziellen Blutbeimengung wichtig ist, wird in Frage gestellt. Wie empfohlen, sollte in jedem Fall der integrierte Gesamtbefund zur Prüfung der Plausibilität herangezogen werden; die Angabe nur der Einzelwerte für IgM in Liquor und Serum oder daraus abgeleiteter Werte (z.B. Quotienten, Antikörperindizes) ist nicht ausreichend.

Der Vorstand und die Weiterbildungskommission der DGLN

Anbei haben wir für Sie auch eine PDF Version erstellt:

       DGLN-Stellungnahme zur Messung von IgM in Liquor und Serum anhand zweier verschiedenen Referenzkurven

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